Geiz ist nicht geil! – ein Plädoyer für den Fachhandel

Heute wurde mein Leserbrief in der Rhein-Neckar-Zeitung veröffentlicht.

Anlässlich des Schlecker-Aus habe ich mir ein paar Gedanken zu unserem Einkaufs- und Konsumverhalten gemacht.

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Wer das Schlecker-Aus beklagt,
wer der Meinung ist, dass Mitarbeiter von Fast-Food-Ketten besser bezahlt werden sollten,
wer möchte, dass Opel und andere wettbewerbsfähig bleiben,
wer belebte Innenstädte möchte,
wer kompetente Beratung im Fachhandel wünscht, wer Arbeits- und Ausbildungsplätze im Handwerk möchte, und, und, und … –  der sollte in erster Linie das eigene Einkaufs- und Konsumverhalten hinterfragen!

Geiz ist eben nicht geil.

Nicht immer ist die Politik schuld, wenn Unternehmen Pleite gehen. Klar hat in dem aktuellen Fall die Schlecker-Führung den Zeitgeist verschlafen.

Aber tragen wir als Verbraucher nicht auch einen Teil der Verantwortung? Wohin führt uns die ständige Jagd nach immer günstigeren Preisen?

3 Gedanken zu „Geiz ist nicht geil! – ein Plädoyer für den Fachhandel

  1. Eva A.

    Oh Mann, das ist ja so etwas von gaga!

    -> „ein Plädoyer für den Fachhandel“
    Kommt noch ein Plädoyer oder soll dies das Plädoyer sein?
    >> Ein Fachgeschäft (Fachgroß- oder -einzelhandlung) ist ein auf Fachhandel spezialisiertes Unternehmen, das sein Sortiment auf eine oder wenige verwandte Artikelgruppen begrenzt und eine fundierte Fachberatung durch festangestellte Fachverkäufer bietet. Quelle Wiki <<

    -> Warum soll Schlecker war ein Fachhandel gewesen sein?

    -> „Anlässlich des Schlecker-Aus habe ich mir ein paar Gedanken zu unserem Einkaufs- und Konsumverhalten gemacht.“
    Gibt es auch fundierte Informationen zu Schlecker sowie betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftlichen Kenntnisse z.B. Gedanken?

    -> „Geiz ist nicht geil“
    Es soll doch tatsächlich in Deutschland Menschen geben die jeden Pfennig dreimal umdrehen müssen. Die würden auch gerne mehr bzw richtig konsumieren. Bei was soll sich das Lustgefühl einstellen? Aber als Politiker sollten man die Ursachen in den Grundzügen wissen oder doch erahnen. Agenda 2010, sinkendes Realeinkommen, hohe Steuerquote usw. 

    Eva A.

  2. A-Seidler Beitragsautor

    Hallo Eva,

    ich habe ja nicht behauptet, dass Schlecker ein Fachhandelsunternehmen war. Als Inhaber eines Fachhandelsunternehmens wollte ich u.a. klar machen, dass es nicht die feine Art ist sich vom Fachhandel beraten zu lassen und dann die Ware ein wenig günstiger im Web zu bestellen. Dass es auch nicht feine Art im lokalen Buchhandel zu stöbern und dann 1-2 Euro bei Amazon zu sparen.

    Denn es sind in der Hauptsache inhabergeführte Fachhandelsgeschäfte, die unsere Innenstädte attraktiv machen.

    Ähnlich passt es meines Erachtens nicht zusammen sich für 5 Euro bei McD satt zu essen und sich dann wundern, dass die Mitarbeiter schlecht bezahlt werden. Man kann sich doch nicht versandkostenfrei Bücher (Warenwert weniger als zehn Euro) bestellen und dann Paketfahrer bemitleiden, weil diese zu wenig verdienen.

    Wenn Du Dich hier nicht angesprochen fühlst, dann waren diese Zeilen auch nicht für Dich bestimmt.

    Ich habe sicherlich kein Interesse die Schlecker-Führung zu verteidigen. Aber das Schlecker-Aus habe ich zum Anlass genommen einige Gedanken zu formulieren.

    Leider gibt es in unserem Land Menschen die wie Du richtigerweise schreibst „…die jeden Pfennig dreimal umdrehen müssen. …“. Aber die Mehrheit muss dies nicht. Der Mehrheit in unserem Land geht es gut.

    Ich habe vor kurzem von einer Metzgerei aus einem Nachbardorf gehört, wo (gut verdienende) Mitarbeiter von Europas größtem Softwareunternehmen mit einer bis dato nicht gekannten Überheblichkeit nach Rabatten fragen. Ist das normal?

    Viele leben nach dem Motto „Geiz ist geil“ ohne sich Gedanken zu machen, dass es die kleineren Läden, Firmen etc. sind, die in unserem Umkreis Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen, die Innenstädte attraktiv gestalten u.s.w.

    Darum ging es mir. Und nicht um jene, die am Existenzminimum leben.

    Grüße
    Adrian Seidler

  3. Eva A.

    Hallo Adrian,

    -> „Wenn Du Dich hier nicht angesprochen fühlst, dann waren diese Zeilen auch nicht für Dich bestimmt.“
    Wie kommst Du darauf? Das verstehe ich nun überhaupt nicht. Du erwartest doch sicher nicht, dass man da zustimmen kann, wenn man ganz unterschiedliche Probleme , Ursachen, Zustände alles in einem Topf wirfst, kräftig rührt und dann zu einer vermeintlich einfachen Ursache kommt? Mit dieser von die genannten Ursache „Geiz ist geil“ wirst Du diesen vielen Ursachen in keiner Weise auch nur annähernd gerecht. Mit diesen konfusen Gedanken (Schlecker, Fachhandel, Modell und Absatzpolitik bei Opel, mangelnde Attraktivität von Innenstädten usw) hinterlassen einen verwirrenden Eindruck.

    -> „ich habe ja nicht behauptet, dass Schlecker ein Fachhandelsunternehmen“
    Hatte ich auch so nicht behauptet.

    Gestatte mir folgenden Hinweis!
    „Es ist nicht die stärkste Spezie die überlebt, auch nicht die intelligenteste, es ist diejenige, die sich am ehesten dem Wandel anpassen kann.“

    Charles Darwin
    (Englischer Naturforscher)

    zu Schlecker:
    Zu Schlecker gibt es sehr wenige substanzielle Daten und Fakten. Da hatte der Insolvenzverwalter schon jede Menge Mühe den Durchblick zu erlangen. Die Probleme bei Schlecker waren bereits vor Jahren zu erkennen.

    Generell:
    -> „Nicht immer ist die Politik schuld, wenn Unternehmen Pleite gehen.“
    Die Politik ist für Rahmenbedingungen verantwortlich und da hapert es doch sehr. z.B. Agenda 2010 –  wenn man u.a. in England Abschaut wie Hartz IV aber den dortigen Mindestlohn vergisst! Oder es nicht macht wie in Frankreich – Als Aufwandsentschädigung für die Befristung des Arbeitsverhältnisses müssen die Entleihbetriebe sogar 10 Prozent Aufschlag zahlen. –

    Ich kann nicht erkennen, dass die Verbraucher die Preise für Produkte oder Leistungen festlegen oder  hast Du die Möglichkeit? Wenn ich einen Atikel oder Leistung zum Betrag X bekommen, wenn ich das brauche muss ich genau den Betrag X bezahlen. Wer hat denn die Möglichkeiten u.a. beim Brief-/Paketdienst geschaffen, dass Mitarbeiten einen sehr geringe Lohn erhalten, der von der Allgemeinheit aufgestockt werden muss (sozialisiert) werden muss, die Gewinne im Unternehmen jedoch privatisiert werden und beim Unternehmen verbleiben?

    -> „Denn es sind in der Hauptsache inhabergeführte Fachhandelsgeschäfte, die unsere Innenstädte attraktiv machen.“
    Was sind noch „inhabergeführte Fachhandelsgeschäfte“? An welchen Standort soll das so sein? In größeren Städten gibt es solche Geschäfte doch kaum noch.  Zu  attraktiven Innenstädten gehört weit mehr als inhabergeführte Fachhandelsgeschäfte. Da gehört zunächst mal gute Parkmöglichkeiten für Kunden, ein entsprechendes Ambiente (nicht wie in Wiesloch wo Fußgänger in der Fußgängerzone ständige angefahren und gefährdet werden), ein gutes vielfältiges aktuelles Artikelsortiment, usw. bis hin zu Serviceangeboten (z. B. Spielecken in der Vorweihnachtszeit) usw …

    -> „Leider gibt es in unserem Land Menschen die wie Du richtigerweise schreibst „…die jeden Pfennig dreimal umdrehen müssen. …“. Aber die Mehrheit muss dies nicht. Der Mehrheit in unserem Land geht es gut.“
    Die Mehrheit kaufte auch nicht bei Schlecker ein!lol
    Jeder fünfte junge Erwachsene ist von Armut bedroht
    – Rund 13 Millionen Menschen von 14 bis 27 Jahren leben in Deutschland und etwa jeder fünfte von ihnen ist nach einer statistischen Auswertung trotz staatlicher Hilfen von Armut bedroht – insgesamt also 2,6 Millionen Quelle: „Sozialmonitor Jugendarmut“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (KJS) –

    -> „Darum ging es mir. Und nicht um jene, die am Existenzminimum leben.
    Mir geht es es um eine differenzierte Betrachtung und nicht eine Betrachtung von Mehrheiten oder Thesen die verwirrend sind und nicht die vielschichtigen Ursachen darlegen.

    Gruß
    Eva A.

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